Folge 2

Folge 2

Marchfeld südlich Oberweiden

Niederösterreich

Franz Grillparzer, König Ottokars Glück und Ende:

„Die Sonne steigt aus Nebeln herrlich auf;
Es wird ein schöner Tag! Mein Sohn, du trittst
zum ersten Mal auf österreichischen Boden,
sieh um dich her, du stehst in deinem Land!
Das Feld, das rings sich breitet, heißt Marchfeld,
ein Schlachtfeld, wie sich leicht kein zweites findet,
doch auch ein Erntefeld, Gott sei gedankt!
Und dafür soll es immerdar dir gelten!“

Lavamünd Drau

Kärnten

Man könnte sagen, Lavamünd liegt im Eck.
Nämlich dort, wo Kärnten an die Steiermark und Slowenien grenzt.  

Man könnte aber auch sagen, Lavamünd liegt auf einer Landzunge.
Und zwar genau dort, wo die Lavant in die Drau mündet.
Weil das natürlich gut erreichbar ist, entwickelte sich hier im Mittelalter ein Straßenmarkt.

Und nicht zuletzt könnte man auch sagen, Lavamünd ist der Tiefpunkt von Kärnten.
Denn es liegt nur 348 Meter über dem Meeresspiegel.

Kellerstöckl bei Rechnitz

Burgenland

Nördlich von Rechnitz, nahe der Grenze zu Ungarn, ziehen sich lange Reihen von Kellerstöckln über den Hang vom Weingebirge.
Ihr Name erklärt ihre Bauweise. Über einem Weinkeller wurde ein einfaches Stockwerk errichtet, in dem Wein gekeltert und Gerätschaften gelagert wurden.
Wenn sich die Arbeit im Weinberg oder im Keller hingezogen hatte, diente das Kellerstöckl notfalls auch zum Schlafen.
Bei manchen ist das heute generell so. Sie werden als Wochenend- oder Ferienhäuser genutzt. Weinkeller natürlich inklusive.

Hollenburg Drau

Kärnten

Fast zögerlich tritt die Hollenburg aus der Landschaft hervor und wird sogar von den Bäumen auf ihrer Nordseite überragt.
Erst wenn man sie von Süden her anschaut, sieht man, dass sie auf einem steilen Felsen hoch über dem Rosental liegt.

Sie ist die Nachfolgerin einer uralten Höhlenburg und wurde im Mittelalter errichtet, um den Übergang über die Drau zu sichern.
Als im 13.Jahrhundert auch der Weg über den Loiblpass ausgebaut wurde, nahm ihre strategische Bedeutung erst recht zu.

Abtenau

Salzburg

Nordöstlich vom Tennengebirge liegt das Lammertal und darin der Ort Abtenau. So sanft und offen die Gegend anmutet,
so unzugänglich war sie in früheren Zeiten. Weshalb das Tal erst ab dem Mittelalter besiedelt wurde.
1124 taucht Abtenau erstmals in Dokumenten auf, als Schenkung an die Äbte des Stift St. Peter zu Salzburg.
Der Ortsname hat allerdings nichts mit „Äbten“ zu tun, sondern lautete einst „Appanouwa“, was einfach so viel wie „zur Au“ bedeutet.

Windischgarsten

Oberösterreich

So, jetzt fliegen wir an aufs Windischgarstnertal. Das ist in den letzten Jahren so etwas wie meine zweite Heimat geworden.
Man nennt es auch das österreichische Engadin und das ist eigentlich kein Wunder, bei diesen Bildern.
Es sollen ja 17 2000er sein, die sich rund um dieses wunderschöne Tal gruppieren:
Da ist einmal das Sengsengebirge, das Tote Gebirge, dann die Hallermauern, der große und der kleine Pyhrgas und irgendwo hinten spürt man noch den Bosruck rüberschauen.
Von Windischgarsten aus kann man hunderte Wanderungen machen, dutzende Hütten erforschen.
Also, wenn man gut bei Puste ist, dann schafft man‘s in eineinhalb, zwei Stunden auf die prachtvolle Gowilalm und lasst sich dort mit Topfenstrudel verwöhnen.
Oder, wenn‘s ein bisschen mehr sein darf, geht’s rüber auf die steirische Seite vom Hengstpass und dann über den großen und kleinen Seeboden aufs Admonter Haus.
Und dort, dort möchte ich heuer hin, komme was wolle.
Und dieses Windischgarsten, das hat sowas, für mich.

Steyr Ursprung

Oberösterreich

Im Stodertal, an der Südostseite vom Toten Gebirge.

A: Hallo! Hallo Sie, sind Sie von da?
B: Jo.
A: Ich such den Steyr Ursprung.
B: Wos?
A: Den Ursprung der Steyr.
B: Ha?
A: Da, wo die Steyr entspringt. Der Nebenfluss der Enns.
B: De Enns?
A: Nein, die Steyr! Der Steyr Ursprung. Moment, hier stehts: „Im Talschluss von Hinterstoder entspringt die Steyr aus sieben Quellen.“ Die Steyer! Die Quellen!
B: Ah, de Qön!
A: Ja genau, die Quellen! Ist das hier?
B: Na. Do sans foisch. Des is durt hint.

Wolfgangsee

Salzburg

Der Wolfgangsee macht es einem mit den Namen nicht leicht.

Man kennt ihn bereits im frühen Mittelalter. Allerdings als Abersee. Und so hieß er auch bis zum Aufkommen des Massentourismus in den 1950er Jahren.
Heute existiert nur noch einen Ortsteil namens Abersee, der übrigens früher Zinkenbach hieß.
Benannt nach dem Bach, der mit seinem riesigen Schwemmkegel, den Wolfgangsee immer enger zusammenschnürt und ihn zugleich in einen Obersee und einen Untersee teilt.

Nebenbei bemerkt: Auf dieser Halbinsel gibt es zwei Orte. Der eine heißt Gschwand, der andere Gschwendt.

Doch weitaus berühmter als sie ist der Ort, der ihnen gegenüber liegt: St. Wolfgang.
Und diesen kennt man natürlich durch ein Pferd.
Das Weiße Rössl, das eigentlich eine Operette ist und in Wirklichkeit ein Hotel.

Hochschwab Abbruch mit Gipfel

Steiermark

In den steirischen Kalkalpen liegt der Hochschwab. 

Behäbig wirkt er von Norden aus.
Ein mit Latschen, Moos und Gras bewachsener Buckel.
Doch unvermutet bricht das mächtige Rund, macht Platz dem Schroffen.
Auf einer Länge von fast zwei Kilometern stürzt der Berg an seiner Südseite über dreihundert Meter tief ab.

An der Kante des Abbruchs: Der Gipfel des Hochschwab, trennt die Seiten des Berges, die Hochfläche vom Sturz.

Presceny-Klause Salza

Steiermark

Nahe der Ortschaft Weichselboden, südwestlich von Mariazell, wird die Salza von der Presceny Klause gestaut.
1841 wurde sie für den Holztransport errichtet. Denn das Salzatal war seit dem Mittelalter Holzlieferant für den steirischen Erzberg und die Eisenindustrie an der Enns.
Denn ohne Feuer kein Eisen. Und ohne Holz kein Feuer.
Weil der Fluss aber oft zu wenig Wasser führte, um die Stämme triften zu können, musste er mit Hilfe von Klausen gestaut werden.
Heute ist die Presceny Klause Teil eines Kleinkraftwerkes, aber viel mehr als das: eine steinerne Zeugin vergangener Zeiten.

Grein / Greinburg

Oberösterreich

Im Strudengau, am linken Donauufer, steht seit 1491 die Greinburg.
Auch wenn sie das Wort „Schloss“ nicht in ihrem Namen führt, gilt sie doch als erster Schlossbau Österreichs.
Ihre Bauherren verzichteten darauf, ihr einen Bergfried oder andere typische Attribute einer mittelalterlichen Burg zu geben,
schließlich sollte Greinburg vor allem Wohn- und Verwaltungszwecken dienen.
Bis heute ist sie das Wahrzeichen von Grein. Die kleine Stadt ist weitaus älter als das Schloss und erblühte schon zur Zeit der Babenberger.
Grund war der rege Handelsverkehr auf der Donau.

Wallfahrtskirche Maria Weinberg

Burgenland

Eine Wallfahrtskirche im Südburgenland nahe der ungarischen Grenze. Wie sie wohl heißen mag?
Schaut man von Osten, könnte sie „Maria im Wald“ heißen.
Schaut man jedoch von Westen, liegt ein anderer Name viel näher: „Maria am Weinberge“.
Vermutlich stand hier im Mittelalter eine Burg und das Einzige, was von ihr blieb, war die Burgkapelle.
Im Barock wurde diese zur heutigen Größe ausgebaut.
Auch wenn die Marienfigur, zu der die Pilger kommen, ein spätgotisches Kunstwerk ist, heißt sie im Volksmund schlicht „die Weinbergerin“.

Stift Schlierbach

Oberösterreich

Grad dort, wo die Berge aus dem Alpenvorland nachlassen und es runtergeht ins oberösterreichische, da sitzt das prachtvolle Stift Schlierbach.
Und wenn ich da vorbeifahr‘, dann kann ich einfach nur an eines denken: An den Schlierbacher, den Käse der dort gemacht wird. Köstlich sag‘ ich Ihnen.
Sie müssen reinschauen, in die Stiftsmolkerei und in den Käseverkauf und sich durchkosten durch die herrlichen Käsesorten.
Sie werden nicht mehr weggehen wollen. Auch wenn‘s geruchstechnisch schon ganz schön reingeht.
Aber dann schauen Sie sich vielleicht auch noch die Glasmalerei an, wenn Sie schon da sind und genießen Sie den Blick ins herrliche oberösterreichische Hügelland hinein.
Und dieses Stift, das überragt dieses Tal dort hinein, Richtung Kirchdorf. Das ist ein Ausflug, der sich jederzeit lohnt.

Hochwechsel

Steiermark

Wenn vom Wechsel die Rede ist, wissen die meisten Niederösterreicher und Steirer, was gemeint ist.
Denn dieser Höhenzug bildet die Grenze zwischen den beiden Bundesländern.
Abgesehen vom Wienerwald ist der Wechsel der östlichste Gebirgszug der Alpen bevor die Weite des Pannonischen Beckens beginnt.
Er ist ein Mittelgebirgszug, um genau zu sein. Sein höchster Gipfel, schlicht und einfach Hochwechsel genannt, ist gerade einmal 1743 Meter hoch.
Dennoch hat man vom Wetterkoglerhaus, das auf seiner Spitze, oder vielmehr Kuppe, steht einen wunderbaren Blick übers Joglland und die Bucklige Welt.
Denn diese beiden Regionen werden ebenfalls vom Wechsel getrennt.

Hardegg

Niederösterreich

Hoch oben im Waldviertel steht die Burg Hardegg. Schon im frühen Mittelalter war hier eine kleine, hölzerne Grenzfeste, um das Herrschaftsgebiet der Babenberger zu sichern.
Im 14. Jahrhundert wurde sie zu einer riesigen Wehranlage ausgebaut mit fünf Wehrtürmen und sieben Eingangstoren.
Heute ist die Burg eine Sehenswürdigkeit am Rand des grenzübergreifenden Nationalparks Thayatal.
Die Gegend hier hat viel Erfahrung als Grenzland, damals wie jüngst.
Doch seit dem Fall des Eisernen Vorhangs geht man hier über die Grenze zu Tschechien und merkt es vielleicht nicht einmal.

Chorherrenstift Vorau

Steiermark

Die Geschichte von Kloster Vorau beginnt im Mittelalter.
Augustiner Chorherren haben es damals zwischen Masenberg und Wechsel errichtet.
Die Fassade der Stiftskirche erinnert noch an diese Zeit.
Im 15. Jahrhundert wurde es zur wehrhaften Klosterburg umgestaltet und im Barock zu einer kleineren Version von El Escorial.
Das spanische Königskloster mit seiner strengen Symmetrie und Regelmäßigkeit stand dafür Pate.
Die meisten seiner Türme stammen auch aus dem Barock.
Insgesamt sind es 15, sodass Vorau das „turmreichste Kloster“ von Österreich ist.

Eissee

Salzburg

In den Krimmler Tauern, wo die Grenze zu Italien nur wenige hundert Meter entfernt ist, liegt der Eissee.

Er ist nicht nur hübsch anzusehen, sondern wartet zur Schneeschmelze mit einem seltenen Naturphänomen auf: Blutschnee.
Dann schimmert seine Oberfläche blutigrot. Doch heute blinzelt er blau Richtung Himmel.

Steyrdurchbruch mit KW

Oberösterreich

Jetzt fliegen wir an, auf ein besonders poetisches Stückerl des Steyrflusses.

Dieses Steyrtal, das hat einige Überraschungen zu bieten, unter anderem auch den Steyrdurchbruch.
Da kann man, wenn man sportlich ist mit dem Fahrrad hinfahren und man sollt‘ sich aber dann schon einen Pullover mitnehmen.
Denn wenn man erst einmal eindringt, in diese kleine Einbuchtung, in der dieses wunderschöne Jugendstilkraftwerkshaus entstanden ist, dann wirds kalt auf einmal, sogar mitten im Hochsommer.

Da sehen Sie diese außergewöhnliche Architektur von diesem Kraftwerkshäusl, das heute noch in Betrieb ist.
Ein Stück von der Steyr, die sonst eigentlich teilweise so lieblich ist und dort aber eine ziemliche Urkraft entfaltet.
Wasserkraft, das ist ja etwas, was wir mögen in Österreich. Da sieht man sie ja in einer schönen, historischen Form.

Weinviertel Windräder

Niederösterreich

In Österreich drehen sich mehr als tausend Windräder, allein die Hälfte davon in Niederösterreich.

Früher gab es Zweifel, ob der Wind in Österreich stark genug ist, damit sich die Aufstellung der Windräder auch lohnt.
Die Frage gilt jedoch heute als beantwortet.
Kann man auch glauben, wenn man ihnen so zusieht, wie flott sie sich drehen.

Erdfunkstelle Aflenz

Steiermark

Dass Aflenz ein Luftkurort ist, weiß man vermutlich.
Dass es einer der wichtigsten Knotenpunkte Österreichs im internationalen Datenverkehr ist, wahrscheinlich nicht.

Für alle Daten, die über Satelliten von und nach Österreich übertragen werden, ist die Erdfunkstelle Aflenz die Schnittstelle!
Von hier aus erfolgt auch die Kommunikation mit zahlreichen Satelliten.

Errichtet wurde die Anlage 1980. Ihr Architekt war übrigens Gustav Peichl.
Die beiden riesigen Parabolantennen, jede mit 32 Meter Durchmesser, stammen noch aus der Anfangszeit.
Mittlerweile stehen hier über 50, manche mit nur zweieinhalb Meter Durchmesser.
Und jährlich kommen weitere hinzu.

Draubrücken bei Hollenburg

Kärnten

Einer der längsten Nebenflüsse der Donau ist die Drau.
Um ihre Kraft zu nützen, wird sie auf dem Weg zu ihrer Mündung vielerorts aufgestaut.
So wie hier im Rosental, wo in den 1970er Jahren der Ferlacher Stausee entstand.

Allerdings gab es ein Problem: Die Rosentalbahn. Deren Brücke führte hier über die Drau.
Bei Erreichen des Stauziels wäre sie jedoch unter der Drau gelegen.
Es blieb also nichts übrig, als sie zu heben. Gerade einmal 80 Zentimeter liegt sie nun über dem Wasserspiegel.
Ganz anders ihre Nachbarin, die Hollenburger Brücke. Diese liegt hoch über dem Fluss.

Gerlitzen Gipfel

Kärnten

Seit 1928 fährt die Kanzelbahn auf die Gerlitzen. Sie ist damit Kärntens älteste Bergbahn.
Mittlerweile wird der Berg mit 20 Liften erschlossen, wie es im Fachjargon heißt, die Natur zugänglich und erreichbar gemacht, den menschlichen Bedürfnissen untergeordnet.

Doch was ist der Sommerpreis für das Wintervergnügen?
Zusätzlich zu den Liftgerippen und Seilbahngräten, welche die Berghänge spicken?
Abholzung von Bergwäldern, Versiegelung von Flächen, Zerstörung von Grasnarben und das, wo der Klimawandel den Winter zunehmend schneearm macht.

Aber was soll’s? Es gibt ja Schneekanonen.

Stein Winter

Niederösterreich

Der Wein hat die Wachau reich gemacht. Das gilt auch für Stein, den kleinen Ort westlich von Krems.
Im 15. Jahrhundert wurde von hier aus mehr als ein Viertel der gesamten Weinmenge vom Land unter der Enns verladen, um auf der Donau befördert zu werden.
Die erfolgreichen Handelsbeziehungen brachten dem Ort Wohlstand. Noch heute sieht man ihn an den reich verzierten Gebäuden und Kirchen.

Pillersee

Tirol

In den Kitzbüheler Alpen, die damals freilich noch nicht so hießen, gab es vor etwa 15.000 Jahren einen Bergsturz.
Dieser verlegte den Grieselbach und es bildete sich ein See, Der Pillersee.
Sein Name verweist vermutlich auf ein Naturphänomen.
Wenn nämlich der Wind seine Wellen aufschaukelt, beginnt der See zu „pillern“, wie man im Dialekt sagt.
Und das heißt „brüllen“ oder „brausen“.

Donauinsel im Winter

Wien

Fährt man auf der Donau stromab nach Wien, trifft man, sogar bevor noch das Stadtgebiet beginnt, auf eine langgestreckte Insel.
Schlicht Donauinsel genannt und ihr östliches Ende erreicht man erst, wenn auch die Stadt schon längst wieder ausdünnt.

Entstanden ist sie in den Jahren 1972 bis 1988 bei der Hochwasserregulierung im Grunde genommen als „Nebenprodukt“.
Mittlerweile hat sie übers ganze Jahr einen Fixplatz im Herzen der Wiener, als einzigartiges Naherholungsgebiet und Freizeitparadies.
Eine Insel, die auch mit der U-Bahn erreichbar ist.

Wiener Eistraum

Wien

Im 17. Jahrhundert kam das Eislaufen nach Wien.
Wenn der Wettergott die Gewässer zufrieren ließ, wurden Donau und Wienfluss zu Eislaufplätzen.
Im 19. Jahrhundert entstanden die ersten privaten Plätze, und seit 1996 verwandelt sich sogar der Rathausplatz für einige Wochen in den vielleicht schönsten Eislaufplatz der Stadt.
Tausende Menschen vergnügen sich dann hier, und der Name dieses glitzernden, märchenhaften Spektakels ist: Eistraum.