Über Südtirol

Über Südtirol

Panorama Cristallogruppe

Südtirol

Zwischen Sillian und Brixen.
An einem Tag, an dem die Dolomiten zu schweben scheinen.
Kette vor Kette in wechselnder Höhe.
Gebirgswellenspiel, das mit dem Himmel eifert, um das zartere Blau.
Das in die Höhe strebt und in die Weite strömt.

So ein Tag, der den Bergen das Leichte schenkt,
damit auch du die Schwere vergisst.
Dann wird dein Leben zu einem Traum
und ein Traum zu deinem Leben.

Churburg

Südtirol

Wie ein Blick in die Renaissance ist der Blick in das Innerste der Churburg.
Aus dieser Zeit nämlich stammt ihr Arkadenhof.

Schaut man sie dagegen von außen an, sieht man ihren mittelalterlichen Ursprung.

Der Hügel, auf dem sie steht, dort am Eingang ins Matscher Tal, bietet ihr zwar kaum Schutz,
doch die Churburg wurde nie zerstört und ist deshalb so gut erhalten.

Partschinser Wasserfall

Südtirol

„Es rauscht im Wald der Wasserfall. Hört's Rauschen auf, ist's Wasser all'“.
Nun, beim Partschinser Wasserfall wird das wohl nicht so bald der Fall sein.
Sein Wasser kommt aus dem Lodner Ferner, und im Frühjahr, wenn der Schnee schmilzt, donnern hier bis zu 10.000 Liter pro
Sekunde die einhundert Meter in die Tiefe bevor sie zu einem kleinen Bach werden, der munter in Richtung Etsch fließt.

Apfelblüte bei Laas

Südtirol

Südtirol ist ein Apfelland. Hier wachsen 10 Prozent aller Äpfel von Europa.
Wegen der unterschiedlichen Höhenlagen gedeihen die verschiedensten Sorten.
Eines aber haben sie alle gemeinsam. Ihre Blüten sind empfindlich und müssen vor spätem Frost geschützt werden.
Deshalb werden sie großzügig beregnet. Ein Eispanzer schützt sie so vor dem Erfrieren.

Die erste Südtiroler Apfelsorte wurde im 15. Jahrhundert gezüchtet. Sie hieß, wie könnte es anders sein, Bozener.
Aber den Apfelanbau selbst gibt es schon seit dem Mittelalter.

Glurns

Südtirol

Mit seinen 905 Einwohnern ist Glurns eine der kleinsten Städte der Alpen. Das Mittelalter, so scheint es, hat hier nie wirklich aufgehört.
Bis heute umschließt die Stadtmauer den Ortskern und trennt Glurns in eine Innen- und eine Außenstadt.
Doch die Zeiten, als der Ort an der oberen Etsch ein wichtiger Handelsplatz war, sind längst Geschichte.
Dafür ist Glurns heute eine beliebte Filmkulisse und zeigt sein mittelalterliches Gesicht auch auf der Leinwand.

Oberbozener Erdpyramiden

Südtirol

Noch weiter zurück reicht die Zeit im Rivellaungraben bei Oberbozen.
Hier gibt es ein seltenes Naturphänomen zu sehen: Erdpyramiden.
Wenn man sie nachbauen möchte, braucht man: einen lehmigen Hang,
in den Felsbrocken eingebettet sind, Regen und ein paar tausend Jahre Zeit.
Man lässt den Hang vom Regen auswaschen und dazwischen immer wieder gut durchtrocknen.
Die Felsbrocken im Boden schützen den Grund, auf dem sie liegen, vor dem unmittelbaren Auswaschen
und werden so zum Schutzdach für die langsam wachsenden Lehmsäulen.
Aber Vorsicht: wenn so ein Deckstein hinunterfällt, wird auch seine Erdpyramide weggewaschen,
und man muss wieder von vorn anfangen.

Seiser Alm

Südtirol

Kommt man von Südwesten über den Schlern wirkt es, als hätte ein zürnender Gott Stücke aus dem Fels gebrochen
und dann, wie zur Versöhnung, ganz sanft über die Erde gestrichen und die Seiser Alm geschaffen.
Sie liegt auf rund 2000 Meter Höhe und ist damit die größte Hochalm Europas.
Seit vielen Jahrhunderten weiden hier Rinder, Schafe und Ziegen,
denn es wächst „das kroffigist und peste hey so man in landt findt“, wie es in einer alten Beschreibung heißt.

Langental mit Burgruine Wolkenstein

Südtirol

Bei Wolkenstein zweigt das Langental vom Grödner Tal ab und führt Richtung Nordosten in die Puezgruppe hinein.
Oberhalb des Ortes sind noch Reste der Burg Wolkenstein zu erkennen, wie verwachsen mit den steilen Dolomithängen.
Heute erzählt nur noch ihre Südwand von den Zeiten, als sie der Familie des Minnesängers
Oswald von Wolkenstein gehörte und die Aufgabe hatte, das Tal gegen Eindringlinge zu sichern.
Doch schon längst kommen keine Eroberer mehr ins Langental, sondern Sommergäste und Wintersportler.

Stoanamandln

Südtirol

Wer vom Sarntal aus auf die große Reisch wandert, wird am Gipfelplateau von vielen Kühen, Schafen und seltsamen Steinfiguren begrüßt, die rund um das Gipfelkreuz stehen.
Vor mehr als 500 Jahren schon wurden sie in Beschreibungen erwähnt. Doch wie sie entstanden sind, weiß niemand genau.
Der Legende nach haben Hexen am Gipfel der großen Reisch getanzt. Um sie zu vertreiben, haben fromme Bauern ein Kreuz aufgestellt.
Aber statt zu verschwinden haben die Hexen die Bauern kurzerhand in Stein verwandelt.
Über hundert Stoanane Mandln stehen nun hier heroben und angeblich kommen immer noch welche dazu.

Kirchturm im Reschensee

Südtirol

Der einzige steinerne Zeuge ist der Kirchturm von Graun. Alle anderen Spuren des Ortes sind im Stausee versunken.
Einst gab es hier oben am Reschenpass drei Seen.
Schon in der Donaumonarchie entstand der Plan, sie aufzustauen. Mit einer Stauhöhe von fünf Metern.
1950 wurde das Projekt von der italienischen Regierung tatsächlich realisiert. Jedoch mit einer Stauhöhe von 22 Metern.
Dadurch wurden 150 Familien zwangsweise enteignet und abgesiedelt, mehr als 500 Hektar Kulturboden überflutet
und 163 Wohnhäuser und landwirtschaftliche Gebäude zerstört.

Bletterbach

Südtirol

Steinerne Zeugen sind auch die Felswände der Bletterbachschlucht südlich von Bozen. Sie erzählen von 40 Millionen Jahren Erdgeschichte.
Ein Winzling hat diesen Grand Canyon von Südtirol geschaffen.
Nämlich der kleine Bletterbach, der vor rund 15.000 Jahren begonnen hat, sich zäh und unermüdlich ins Gelände zu graben.
Mittlerweile ragen die Felswände hier 400 Meter hoch auf.
Anders als in vielen anderen Gebieten haben sich ihre Schichten jedoch nicht vermischt, sondern liegen unversehrt übereinander.
Heller Grödner Sandstein auf rötlichem, vulkanischem Quarzporphyr.
So wird ein Ausflug in die Bletterbachschlucht zu einer Reise in die Vergangenheit der Erde.

Eisacktal Franzensfeste

Südtirol

Dort, wo das Eisacktal zum Wipptal wird, gelangt man an einen Stausee.
Viel bedeutsamer aber ist die Befestigungsanlage an seinem Ufer: Die Franzensfeste, benannt nach Kaiser Franz I. von Österreich.
1833 sollte mit ihr das „größte Bollwerk des Südens auf Tiroler Territorium“ entstehen.
In nur fünf Jahren Bauzeit wurde unterunvorstellbaren Bedingungen ein gewaltiges Labyrinth aus Räumen, Gängen und Treppen errichtet.
Doch kriegerische Auseinandersetzungen fanden hier nie statt, und die Franzensfeste war jahrzehntelang nur militärisches Depot.

Kloster Saeben

Südtirol

Der Säbener Berg, hoch über der Stadt Klausen, wird auch Heiliger Berg genannt.
In frühchristlicher Zeit wurde Tirol von hier aus missioniert.
Bis zum Jahr 960 war Sabiona, so der lateinische Name von Säben, Bischofssitz.
Erst 700 Jahre später, im Jahr 1685 gründeten hier fünf Benediktinerinnen aus dem
Salzburger Stift Nonnberg unter schwierigsten Bedingungen ein neues Kloster.
Apropos schwierig, bis heute ist es nur über einen Wanderweg erreichbar.

Naturpark Fanes Sennes Prags

Südtirol

Die Dolomiten sind eine Welt für sich. Die Zeit hat dem Kalkstein seine ganz eigene Form gegeben.
In den Pragser Dolomiten bildet er auf 2000 Meter eine geheimnisvolle Hochebene: Die Fanes.
Benannt ist sie nach einem Bergvolk, das vor langer Zeit hiergelebt haben soll.
Uralte, ladinische Legenden erzählen von Helden und Magiern, Treue und Verrat
und schließlich von Flucht und Vertreibung der Fanes ins Reich der Murmeltiere.
Und zumindest diese findet man hier oben bis heute.

Spronser Seen

Südtirol

Während die Fanes eine karge Hochebene sind, liegt in der Texelgruppe ein glitzernder Schatz:
Die Spronser Seen, eine hochalpine Seenplatte.
Ihre Namen verraten ihren unterschiedlichen Charakter: Grünsee, Schwarzsee, Schiefersee oder Mückenlacke.
Der größte von ihnen ist einen Kilometer lang und heißt, natürlich, Langsee.
In ihm leben Saiblinge, die das reine, kalte Gebirgswasser mögen.
So wie die Einwohner von Meran. Denn das Wasser der Spronser Seen wird auch ins Trinkwassernetz der Stadt geleitet.

Meran

Südtirol

„Südbalkon des Habsburgerreiches“ hat man Meran einst genannt, als sonnenhungrige Aristokraten, unter ihnen Kaiserin Elisabeth, Großbürger und Künstler im „Nizza von Tirol“ überwintert haben.
Die Blütezeit als Kurstadt war schon die zweite Karriere von Meran. Die erste freilich viele Jahrhunderte früher, als Meran Hauptstadt von Tirol und wichtiges Handelszentrum war.
Und heute? Gilt jedenfalls noch, was Stefan Zweig über Meran geschrieben hat: „Feindschaft mit dem Wind und rege Freundschaft mit der Sonne". Wie es sich für einen Südbalkon gehört.

Schloss Tirol

Südtirol

Nördlich von Meran schuf sich im Mittelalter ein bayrisches Adelsgeschlecht ein Territorium und errichtete seine Stammburg: Das Schloss Tirol.
Bis zum 15. Jahrhundert war es die Residenz der Grafen von Tirol.
Dann verlegten die Habsburger, ihnen gehörte die Grafschaft Tirol mittlerweile, die Residenz nach Innsbruck.
Die strategische Bedeutung ging Schloss Tirol dadurch zwar verloren, seine symbolische aber blieb.

Sarner Schlucht mit St.-Johannes-Kapelle

Südtirol

Südwestlich von Wangen hat sich das Wasser der Talfer eine tiefe Schlucht gegraben. Einer ihrer Felstürme ist besonders imposant: Der Johanniskofel.
Seinen Gipfel mit der kleinen Kapelle erreicht man nur über einen ausgesetzten Fußweg oder einen Klettersteig an der Flanke des Kofels.
Ob so oder so, eine Tafel in der Kapelle bittet: „Heiliger Johannes, lass alle unterstehn, die Narren, die am Drahtseil – und die gewöhnlichen Leut, die auf steilem Weg zu Dir auf den Kofel gehn.“

Finailhof im Schnalstal

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Einer der ältesten Höfe im Schnalstal ist der Finailhof hoch über dem Vernagt Stausee.

Obwohl er sogar in Aufzeichnungen aus dem Mittelalter erwähnt wurde, richtig bekannt gemacht hat ihn 1416 der Habsburger Herzog Friedrich IV.
Auf seiner Flucht vor Sigismund von Luxemburg versteckte er sich auf dem Finailhof und hütete als Knecht verkleidet die Ziegen.
Sein Beiname, der ihn berühmt machen sollte, stammt vermutlich aus dieser Zeit: Friedl mit der leeren Tasche.

Montiggler Seen

Südtirol

Der Herbst bringt die Stille zurück, und kaum noch etwas erinnert an die Badegäste, die sich im Hochsommer hier tummeln.
Es sind so viele, dass die beiden Montiggler Seen auch „Badewanne von Bozen“ genannt werden.
Der Mitterberg, auf dem sie liegen, ist von der Stadt aus gut erreichbar, und deshalb ein beliebtes Naherholungsgebiet.
Aber jetzt ist es wieder still und die Seen liegen ruhig eingebettet im Wald.

Weinstraße und Kalterer See

Südtirol

Wenn Zypressen zwischen Weingärten wachsen, wird der alpine Norden zum mediterranen Süden, wie hier an der Weinstraße.
In dieser Region zwischen Nals und Salurn werden mehr als 80 Prozent der Südtiroler Trauben geerntet.
Von hier stammt natürlich auch der Kalterersee, benannt nach dem See, an dessen Ufer er wächst.

Drei Zinnen

Südtirol

Denkt man an Südtirol, tauchen vor dem inneren Auge Bilder auf. Eines davon zeigt mit Sicherheit die Drei Zinnen.
Denn die markante Berggruppe findet sich seit dem Aufkommen des Tourismus auf unzähligen Ansichtskarten, Werbebildern oder Kalendern und wurde zu dem Symbol für die Dolomiten.
Die drei Felstürme im Hochpustertal sind begehrte, weil schwierige Gipfelziele für Kletterer.
Doch das „Drei-Zinnen-Erlebnis“ kann man auch einfacher haben. Eine besonders beliebte Wanderroute führt nämlich um sie herum.

Gebirgspass Pordoijoch

Südtirol

Fährt man von Canazei hinauf aufs Pordoijoch in der Sellagruppe, muss man sich durch 27 Kehren winden.
Damit ist es aber nicht getan. Denn nach dem Pass geht es mit 33 Kehren hinunter nach Arabba.
Die Dolomitenstraße wurde 1909 als Touristenstraße angelegt, um Bozen mit Cortina d'Ampezzo zu verbinden.
Sie führt über vier Pässe, und das Pordoijoch ist ihr höchster Punkt.

Eisacktal Autobahn

Südtirol

Die Straßen über die Alpen sind seit Jahrhunderten Lebensadern für Transit und Transport.
Doch ihr Verlauf und ihre Bedeutung haben sich manchmal auch geändert.
Die Straße von Bozen zum Brenner führte einst als Saumweg über den Ritten,
und erst ein Bozener Kaufmann ließ 1314 eine bessere Straße durch das Eisacktal anlegen.
Heute ist es mehr als eine. Brennerautobahn, Brennerstaatsstraße und Brennerbahn verbinden hier den Norden mit dem Süden.

Schafe Almabtrieb Niederjoch Similaunhütte

Südtirol

Seit undenklichen Zeiten wird der Alpenhauptkamm am Niederjoch überquert. Von Menschen ebenso wie von Tieren. Bis heute.

Jedes Jahr im Juni werden tausende Schafe und Ziegen vom Schnalstal zu ihren Sommerweiden im Ötztal getrieben, und im September wieder retour.
Sie legen dabei in zwei Tagen 44 Kilometer und 3.000 Höhenmeter zurück.
Diese sogenannte Transhumanz führt als einzige weltweit gleichzeitig über einen Gletscher und eine Ländergrenze und ist Teil des immateriellen Kulturerbes der UNESCO.

Ortler mit Payer Hütte und Wanderern

Südtirol

Der Normalweg auf den Ortler, also der Weg, der am häufigsten begangen wird, führt über die Payerhütte.
Wie ein trotziger Schrei ist sie der Bergflanke entgegengesetzt und für die Wanderer wie ein letzter, tiefer Atemzug vor dem Anstieg.

Einst war der Ortler mit seinen fast 4.000 Metern der höchste Berg von Österreich-Ungarn, heute ist er der höchste Berg von Südtirol.

Wer die Payerhütte erreicht wird, so alles passt, vier bis sechs Stunden später auf dem Berggipfel stehen.
In einer weiten Ferne zur Welt. In einer großen Nähe zur Welt, die es auf diese Art vielleicht nur hier oben gibt.

Villnößtal mit Kirche St. Johann in Ranui

Südtirol

Das Villnößtal beginnt als Schlucht.
Die Felstürme der Geislergruppe trennen es von Gröden.
Folgt man dem Tal nordwärts, Richtung Eisacktal, wird es immer weiter und weicher und selbst der Schnee bleibt zurück.
So wird der Weg jetzt im Herbst ein Weg nochmals zurück in den Sommer.

Herbstwald Vernagt-Stausee

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Im Schnalstal, auf 1.600 Meter Höhe liegt der Vernagt Stausee.
Nur sein Name erinnert noch an die acht Höfe, die hier einst standen und versunken sind, als er in den 1950er Jahren angelegt wurde.
Oder nein, im Frühjahr, wenn der Wasserspiegel niedrig ist, ist manchmal noch ein Glockenturm zu sehen, der aus dem Wasser ragt.
Aber nur manchmal.

Rosengarten

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Es war einmal ein mächtiger Zwergenkönig namens Laurin.
Der lebte in den Dolomiten und hatte einen Rosengarten von atemberaubender Schönheit.
Den belegte er mit einem Fluch, damit niemand ihn sehen konnte, egal ob bei Tag oder bei Nacht.
Die Dämmerung aber, die hatte der König vergessen.
Und so wird sein Rosengarten in den Dolomiten jeden Tag sichtbar.
Dann, wenn die Sonne untergeht.